Zeitreisen 4 – Raumzeit

rotating_earth_smallJetzt sind wir immerhin soweit zu wissen, dass wir die komplette Dimension Zeit überhaupt nicht verstehen. Wir sitzen wie ein Affe in einem Hubschrauber und staunen blinkende Lichter an. Aber mal angenommen der Affe findet aus irgendeinem glücklichen Zufall den richtigen Hebel. Die Menschen finden also den Trick, Tunnel oder Falten in der Zeit zu nutzen. Das Problem der parallelen Realitäten nehmen wir mal als gelöst and und auch die Rückkehr in Realität # 6409 ist mit irgendeinem Trick gesichert. Trotzdem müsste eine andere Technologie zuerst entwickelt werden: Teleportation oder auf Star Trek-Deutsch: Das Beamen. Warum? Nehmen wir mal an, der potentielle Zeitreisende springt erstmal testweise nur eine Stunde in die Zukunft – dann ist die Erde nicht mehr da!

Alles dreht sich, wirbelt und rast durch das Universum. Die Erde dreht sich einmal täglich um sich selbst, ein Punkt am Äquator legt also gute 40.000 Kilometer in 24 Stunden zurück. Das sind grob gerechnet schon mal 1666 km/h. Weiter nördlich oder südlich entsprechend weniger. Theoretisch würde der verwunderte Zeitreisende also bis zu 1600 Kilometer östlich wieder auftauchen. Die Erde dreht sich aber nicht nur um sich selbst, sondern innerhalb eines Jahres auch einmal um die Sonne. Die Geschwindigkeit schwankt ein wenig, da sich die Erde nicht genau kreisförmig um die Sonne bewegt: Die maximale Geschwindigkeit beträgt 30,29 Kilometer pro Sekunde, die minimale Geschwindigkeit 29,29 Kilometer pro Sekunde. Also kann der Reisende nicht darauf hoffen, überhaupt wieder auf der Erdoberfläche aufzutauchen. Legt man nur den Faktor der Erdrotation um die Sonne zugrunde, würde er sich nach einer Stunde ca. 108.000 Kilometer entfernt vom Mutterplaneten wieder finden. Falls es jemanden beruhigt: In diesem Fall spielt die Erdrotation keine Rolle, die komplette Oberfläche ist schließlich weg. Erschwerend kommt jetzt aber noch hinzu, dass auch das ganze Sonnensystem um das Zentrum der Milchstraße rotiert und das mit noch mal 220.000 Metern pro Sekunde oder für Autofahrer umgerechnet mit 792.000 Stundenkilometern. Diese Vektoren addieren sich natürlich je nach Winkel und zeitlicher Distanz des Sprungs. Ob und wie die Galaxis wiederum um irgendwas rotiert können wir langsam vernachlässigen, die Erde wäre nach einem Sprung in der Zeit in jedem Fall sehr sehr weit weg.

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Raumzeit

Das Problem bei der Sache ist nicht nur der fehlende absolute Referenzpunkt. In der Raumzeit hat ein „Punkt“ außerdem laut der speziellen Relativitätstheorie drei Raumkoordinaten und eine Zeitkoordinate, also einen Ort und eine Zeit. Ein Punkt entspricht deshalb einem Ereignis. Es ist nicht unbedingt möglich, einen Punkt im Raum ohne den Faktor Zeit zu definieren. Es gibt kein definitives und immerwährendes „Hier“. Es gibt nur ein „Hier zum Zeitpunkt X“. Und nach unserer angenommenen Zeitreise ist „hier“ auf jeden Fall eine Stunde später (nicht mehr) „da“. Also könnte eine Reise in der Zeit nur dann stattfinden, wenn Teleportation möglich wäre. Als Teleportation (okay: „beamen“) bezeichnet man normalerweise die Bewegung eines Gegenstandes von einem Raumpunkt zu einem beliebigen anderen Raumpunkt, ohne dass dabei Zeit vergeht. In unserem Fall wäre das aber noch ein wenig komplizierter, da wir den durch Teleportation angepeilten Raumpunkt nicht nur genau zum selben Zeitpunkt anpeilen und errechnen müssten, sondern mit einer variablen Zeitspanne. Und da sich die Zeit wiederum relativ zu Massen und Energien verhält, würden auf dem Weg dahin natürlich unzählbar viele Sterne oder schwarze Löcher im Weg stehen, die das Rechenergebnis beeinflussen. Und Rechenfehler wären natürlich fatal: Eine Sekunde Rechendifferenz könnte bei einer Zeitreise von 10 Jahren den Zeittouristen bereits 250 Kilometer außerhalb der Atmosphäre platzieren. Abgesehen davon, dass bereits ein Meter Differenz tödlich sein kann wenn sich der Ankommende in einer massiven Wand wieder findet anstatt in einem hübschen Labor.

Eine körperliche Reise durch die Zeit, wie wir sie verstehen, wird es wohl für uns nicht geben. Denn für uns ist nicht nur die Zeit eine völlig ungreifbare Dimension, auch der Raum beziehungsweise die räumliche Beschaffenheit des Universums ist eine unbegreifbare Angelegenheit. Das heißt, nicht nur die vierte Dimension bleibt uns verschlossen, auch die „bekannten“ drei sind sehr viel komplexer als wir im Normalfall merken. Allein die Größenordnungen von Milliarden von Lichtjahren können wir schlicht und einfach nicht mehr in die Gehirnwindung bekommen. Es ist ja nicht nur so, dass wir einer schwäbischen Raupe den Weg nach Alaska erklären müssten, es ist noch viel viel schlimmer. Prinzipiell geht natürlich alles, aber wahrscheinlich steckt hinter der Reise durch die Zeit derselbe Trick wie hinter einer Reise durch den tiefen Raum. Anstatt mit einem Raumschiff räumlich immer geradeaus zu fliegen oder in einer Zeitlinie immer geradeaus zu denken ist der Trick des Reisens wahrscheinlich einfach, einen einzigen Schritt zur Seite zu tun.

Zeitreisen 1 – Das Großvater Paradoxon

Zeitreisen 2 – Gefrorene Zeit

Zeitreisen 3 – Dimensionen

Zeitreisen 4 – Raumzeit

One comment

  1. Einfacher Weg, um die Raum-Zeit-Krümmung der Erde selbst zu bestimmen:

    Baue dir ein Pendel. Miss dessen Länge und die Zeit, die es für eine komplette Schwingung benötigt:

    Bei einem Pendel von 1m Länge sind das ca. 2s.

    Die Formel für die Schwingungsdauer des Pendels lautet:

    T = 2*Pi*Wurzel (l/g)

    Die Formel für die Raumkrümmung lautet:

    R = g/c²

    umgestellt nach g:: g = R * c²

    Einsetzen ergibt:

    T = 2 * Pi * Wurzel(l/R * c²)

    Aufgelöst erhält man R = 1,1 * 10-16 1/m

    Der Kehrwert (also der Krümmungsradius) ergibt ca. 1 Lichtjahr.

    Einen einfacheren Weg gibt es wohl nicht …

    Besser beschrieben und mit einem weiteren Beispiel versehen, aus dem man die gleichen Werte durch die Wurfparabel eines Balls oder einer Kugel errechnet unter:

    http://www.raumzeit-fuer-alle.de/Exzerpt%20ART.pdf

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