Zeitreisen 2 – Gefrorene Zeit

gefrorene-zeitFür eine Reise in der Zeit werden normalerweise zwei Richtungen vorgegeben: Vorwärts oder rückwärts. Eine Rückkehr aus der Zukunft ist höchst ungewiss und will man nach der Reise in die Vergangenheit in die eigene Gegenwart zurückkehren, ist es höchst ratsam, nichts anzufassen. Sonst ist die eigene Realität vielleicht nicht mehr da.

Im Allgemeinen sehen wir die Zeit als einen geradlinigen Strahl, der aus der Vergangenheit kommt und in die Zukunft weist. Wir selbst wandern gemeinsam mit der Welt um uns herum, Sekunde um Sekunde, an diesem Strahl entlang. Tatsächlich wahrnehmbar ist dabei für uns nur ein winziger Abschnitt dieses Strahls, das tatsächliche „Jetzt“. Genau genommen ist es nicht mal ein Abschnitt, sondern ein Punkt: Wenn man das Wort „Jetzt“ ausspricht, ist beim „J“ das „etzt“ noch Zukunft und beim letzten „t“ angekommen, liegt das „J“ schon wieder in der Vergangenheit. Das heißt konkret, wir nehmen recht wenig von diesem Phänomen Zeit wirklich wahr und ziehen eine Spur der unverrückbaren weil vergangenen Wahrheiten hinter uns her.

Nehmen wir mal an, die Vergangenheit könnte aus reinem Interesse bereist werden. Die Geschehnisse stünden in jedem Fall schon fest. Es mag spannend sein, die Schlacht am Teutoburger Wald live und in Farbe anzusehen – wer gewinnt, ist allerdings schon klar: Es war übrigens das germanische Heer unter Führung des Cheruskerfürsten Arminius. Es gibt jede Menge Dokumente und Aufzeichnungen darüber, was in der Zeit vor dem „Jetzt“ alles passiert ist. Das scheinen alles wasserdichte und beweisbare Fakten zu sein. Auch wir selbst können uns an viele Ereignisse aus unserer eigenen Vergangenheit exakt erinnern und diese wiedergeben. Was alles passieren könnte wenn man an der Zeitlinie herumpfuscht, haben wir im ersten Teil (Das Großvater-Paradoxon) besprochen und das ist in vielen Filmen und Büchern auch schon thematisiert worden. Ob es parallele Realitäten geben kann oder nicht, sei an dieser Stelle mal dahin gestellt, es wäre in jedem Fall absolut notwendig, die Vergangenheit exakt so zu belassen wie sie ist beziehungsweise war, damit man in die eigene „Jetzt“-Zeit zurückkehren kann. Das hieße konkret, hinter einem selbst läge eine in Stein gemeißelte Vergangenheit, während vor einem eine ungewisse Zukunft liegt.

Gefrorene Zeit

Man könnte sich die Zeit wie ein Glas Wasser vorstellen, das von unten nach oben gefriert. Alles was im bereits gefrorenen Bereich liegt, ist die Vergangenheit. Die schmale Grenze zwischen Gefrorenem und Flüssigem ist die Gegenwart und der obere flüssige Teil ist die Zukunft. Die Wassermoleküle sind in gefrorenem Zustand starr und kristallin. Die Form und die Zusammensetzung kann sich nicht mehr ändern. Im ersten Artikel haben wir die Theorie belichtet, dass durch eine Veränderung der Vergangenheit einfach eine zusätzliche Realitätsebene geschaffen wird. Eine weitere Theorie wäre aber, dass man bei Reisen in die Vergangenheit schlicht gar nichts verändern kann, weil alles schon im Wortsinn „feststeht“. Die kristalline Struktur der „gefrorenen Zeit“ lässt weitere Veränderungen nicht zu. Die Zukunft allerdings ist noch im Fluss, die Wassermoleküle wirbeln wild durcheinander und niemand könnte jemals voraussagen, in welcher Zusammensetzung das Wasser gefrieren wird, wenn es soweit ist.

Die Reise in die Zukunft

Der Nachteil bei der Entscheidung den Trip nach vorne anzutreten, die Zukunft ist noch nicht entschieden. Zu viele Faktoren beeinflussen den Lauf der Welt, also in welche mögliche Zukunft könnte man reisen? Und würde eine Reise in die Zukunft nebst Rückkehr in die Gegenwart nicht wiederum die Zukunft verändern? Dann spätestens muss man sich mit dem Gedanken der parallelen Möglichkeiten auseinandersetzen.

Die einfachste Art in die Zukunft zu reisen, ist in jedem Fall eine Art Kryo-Schlaf. Man versetzt den Reisenden einfach in Stase und taut ihn 1000 Jahre später wieder auf. Die Zukunft die der Reisende zu Gesicht bekäme, wäre aber ganz einfach die Variante, in der er sich einfrieren ließ. Alle anderen möglichen Zukunftsmodelle könnte er nicht besuchen, denn hätte er diese „Reise“ nicht angetreten, wären ganz einfach ganz andere Dinge passiert. Eine solche Reise ist in wenigen Jahren wahrscheinlich technisch sogar möglich. Eine Rückfahrkarte gibt es bei dieser Reise natürlich nicht und ob es reizvoll ist, als quasi mittelalterlicher Mensch im Jahr 3008 plötzlich in irgendeinem Labor (oder einem Endlager) völlig allein wieder aufzuwachen, sei dahingestellt.

Aber gehen wir noch einmal zurück zum Thema Reisen in die Vergangenheit. Ob das technisch möglich sein wird, bleibt zunächst einfach mal abzuwarten. Die Menschheit ist ja technisch wirklich begabt und allgemein wird ja davon ausgegangen, dass in der Generation Jean-Luc Picard menschliche Unzulänglichkeiten wie Gier, Neid, Hass und Zorn überwunden sein werden. Geld, Kriege und Hungersnöte sind abgeschafft und man kann sogar die Sterne bereisen. Technisch ist ja vieles denkbar und die Menschheit hebt sich prinzipiell mit einer einzigen Eigenschaft aus dem Tierreich heraus: Dem Gebrauch von Werkzeug, oder schicker ausgedrückt von Technik. In dieser Hinsicht kann man also von der Menschheit schon noch Großes erwarten. Also mal angenommen, im Jahr 3008 stehen Zeitreisen bei TUI im Katalog und der elfte September oder der zweite Weltkrieg können mit Halbpension gebucht werden.

Wenn in der Zukunft irgendwann so etwas möglich sein sollte – wo sind oder waren denn die ganzen Zeitreisenden?

robot_250Ist unsere Epoche so langweilig oder warum hat noch nie jemand einen Zeitreisenden aus der Zukunft gesehen? Menschen die von sich behaupten, sie kämen aus der Zukunft, gibt es zwar ab und an (und wer weiß schon was wirklich stimmt und was nicht) aber falls diese Möglichkeit in der Zukunft besteht, müsste es einen sehr viel höheren Andrang geben. Da aber seltenst jemand seine Herkunft aus der Zukunft schlüssig beweisen kann und das überhaupt auch selten vorkommt, gibt es zwei Möglichkeiten: Es geht nicht, ging nie und wird nie gehen oder man kann die Vergangenheit schlichtweg nicht verändern. Ob es physikalisch einfach nicht geht, oder, wie in vielem Filmen thematisiert per Dekret verboten sein wird, macht dabei kaum einen Unterschied. Der Zeitreisende kann so oder so nicht auf die Zeitlinie Einfluss nehmen. Vielleicht lässt die Zukunft ja eine Computertomografie der gefrorenen Zeit zu und unser ganz normales „Jetzt“-Leben läuft 3008 im 3D-Fernsehen-Spätprogramm. Aber ein Trip zum Mauerfall inklusive Kontakt zu den Einheimischen würde in der Zeitlinie gröbere Verwirrung auslösen.

Möglich ist aber auch, dass es in unserer Realität zufällig einfach noch nicht vorgekommen ist. Wir leben zufällig in der Form, in der noch kein Tourist aus dem Jahr 3008 vorbei geschaut hat. Im Millionen anderer Varianten ist das bereits vor 50 Jahren passiert, was die Zeitlinie massiv verändert hat und alles ist anders gekommen. Bei uns aber einfach zufällig nicht. An diesem Punkt wirft sich wieder einmal die Frage auf, ob wir wirklich alle in der einzig möglichen Realität leben.

Zeitreisen 1 – Das Großvater Paradoxon

Zeitreisen 2 – Gefrorene Zeit

Zeitreisen 3 – Dimensionen

Zeitreisen 4 – Raumzeit

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