Zeitreisen 1 – Das Großvater Paradoxon

zeitreise1_ballsStephen Hawking sagte: „Wir können sehen wie eine Tasse vom Tisch fällt und in Scherben geht, aber wir werden niemals sehen, wie sich eine Tasse zusammenfügt und auf den Tisch zurückspringt. Diese Zunahme der Unordnung oder Entropie unterscheidet die Vergangenheit von der Zukunft und verleiht der Zeit auf diese Weise eine Richtung.“ Zeitreisen sind eine reizvolle Vorstellung und sind Stoff vieler Science-Fiction-Bücher und -Filme. Es ist bekannt, dass Masse, Raum, Energie und Zeit relativ zueinander sind. Das heißt, die für uns verbindliche Richtung von Vergangenheit über die punktförmige Gegenwart in Richtung Zukunft müsste auch gebeugt werden können.

Eine Reise durch die Zeit ist theoretisch also nicht mal so abwegig. Allerdings muss man die theoretische Ebene nicht einmal verlassen, um auf die ersten Probleme zu stoßen:

Das so genannte Großvater Paradoxon:
Reise ich in die Vergangenheit und töte meinen Großvater, kann er meinen Vater nicht zeugen. Ergo wird es mich, vom Standpunkt der Vergangenheit aus gesehen, überhaupt nicht geben (bzw. nicht gegeben haben). Das heißt, ich kann auch nicht in der Zeit reisen (in der Zeit gereist gewesen sein) um ihn zu töten. Zweites Problem dabei: Ich kann nach dem Mord nicht in eine Gegenwart zurückkehren in der es mich ja nach Veränderung der Zeitlinie gar nicht gibt. Oder wäre dort zumindest höchst fehl am Platz. Erschwerende Umstände kämen noch hinzu, wenn ich der Erfinder der Zeitmaschine wäre und durch die Durchtrennung der Erblinie meine Existenz und dadurch auch die Erfindung der Zeitmaschine unmöglich gemacht hätte. Dieses Paradoxon wird gerne hergenommen um die völlige Unmöglichkeit von Zeitreisen zu beweisen.

Eine Lösungsmöglichkeit ist die Annahme, dass es verschiedene Zeit- und Geschichts-Stränge nebeneinander geben kann. Dann kann man nämlich sagen, dass zum Zeitpunkt des Eintreffens des Zeitreisenden der Geschichtsstrang sich aufspaltet, in eine Geschichte mit dem Zeitreisenden und in eine Geschichte ohne den Zeitreisenden. Während in ersterer der Zeitreisende nicht mehr geboren wird, wird in letzterer der Zeitreisende geboren und kann somit auch Zeitreisen veranstalten und zurückkehren. Mal angenommen, die Theorie der parallelen Realitäten stimmt: In der relativen Vergangenheit des Zeitreisenden, als er zu reisen begann, gab es ihn ja bereits. Also kann er theoretisch auch in diese Realität zurückkehren.

Es sei denn, die Zeitmaschine verschwindet in dem Moment in dem er die Erfindung unmöglich gemacht hat: In den oben erwähnten Science Fiction Filmen wird meist von einer einzigen Gegenwarts-Variante ausgegangen, die sich meist quasi parallel zu den Geschehnissen die der Protagonist in der Vergangenheit erlebt oder herbeiführt verändert. Auf Fotografien verschwinden beispielsweise Verwandte oder Inschriften auf Grabsteinen verblassen. Wahrscheinlicher aber ist, dass diese eine Gegenwartsvariante auf einer unveränderbaren Vergangenheit basiert. (Vergleiche den Beitrag „Die Summe aller Realitäten). Würden in der Vergangenheit Dinge verändert werden, würde sich letztlich nur eine neue Variante der Realität zusätzlich öffnen.
Mit oder ohne Mord an dem unschuldigen Opa wäre es demnach allerdings schwierig, seine eigene Realität wieder zu finden. Also angenommen, es gäbe sowieso parallel unzählbar viele Realitäten und durch die Herumpfuscherei unseres Zeitreisenden sind sogar noch ein paar Optionen dazu gekommen.

Man kann seinen Opa aber auch in Frieden lassen und wird trotzdem die Zeitlinie verändern: Neue Realitäten entstehen schon durch minimale Einflussnahme. Sogar wenn der Zeitreisende nur 5 Minuten lang still mit der Digitalkamera im Wald steht, wird die Welt nicht mehr sein, wie sie war. Bereits ein minimaler Eingriff in die Substanz der Dinge verändert den weiteren Lauf der Geschichte. In den oben erwähnten Science Fiction Filmen muss immer gleich jemand sterben oder heiraten, um die Zeitlinie zu ändern. Tatsächlich aber kann die eine Ameise die ich bei meiner Reise zertrete bereits einen mehr oder weniger großen Anteil am weiteren Lauf der Geschichte haben. „Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Wirbelsturm in Texas auslösen?“ Wenn diese Frage von Edward Lorenz mit ja beantwortet werden kann, kann sich die Zeit rein durch die Anwesenheit des Störfaktors Zeitreinsender verändern. Genau so gut kann dieser winzige Flügelschlag aber auch gar nichts Spürbares auslösen. Das weiß man eben erst immer hinterher.
Das ist aber nicht das einzig paradoxe an Zeitreisen und dieses Thema wird uns auch noch weiter beschäftigen.

Zeitreisen 1 – Das Großvater Paradoxon

Zeitreisen 2 – Gefrorene Zeit

Zeitreisen 3 – Dimensionen

Zeitreisen 4 – Raumzeit

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