Sex und Religion

sexundreligion1Sex ist gesund, Sex macht Spaß, Sex ist sündig, Sex ist verboten. Sex ist nur zur Fortpflanzung – und das auch nur Verheirateten – erlaubt. Wer jetzt noch nicht völlig verwirrt ist, frage mehrere Missionierende, Lehrende oder Therapierende seiner Wahl nach der religiösen Akzeptanz von, beziehungsweise dem richtigen Umgang mit Sex: Er wird exakt so viele Antworten erhalten, wie er Fachleute gefragt hat.

Dem Thema Sex wird in der allgemein gültigen kirchlich orientierten Lehre kaum Platz gewidmet. Wenn überhaupt zum Thema Sex etwas gesagt wird, dann eher in dem Sinne, dass man sich besser auf geistliche Themen konzentrieren sollte. Wer sein Leben der Suche nach dem Sinn widmen möchte, sollte sich im Allgemeinen das Thema Sex erst mal aus dem Kopf schlagen. Nachfragen sind ungern gesehen.
Tausende Therapeuten finanzieren sich teure Leben durch die Behandlung sexuell frustrierter Großstädter. Nicht erst seit Sigmund Freud ist bekannt, dass das Thema Sex beziehungsweise der mehr oder weniger gestörte Umgang damit, nachhaltige Auswirkungen auf die menschliche Psyche hat.

pornoshopIm richtigen Leben, außerhalb reglementierter Gotteshäuser oder lederbecouchter Therapiepraxen, ist Sex schlicht und einfach das Thema Nummer eins. Nichts regt schenkelklopfende Männergespräche so schön an wie schlüpfrige Witze, nichts bringt Frauenrunden effektiver zum kollektiven Kichern. Die Sex-Industrie ist ein Multimillionen-Euro-Geschäft. Von Hochglanzmagazinen bis zu billigen Schmuddelheftchen, von künstlerisch anspruchsvoll gemachten Bildern bis hin zur plumpen großformatigen Zurschaustellung von Geschlechtsteilen oder Paarungsakten, alles hat seinen Markt und seine Konsumenten. Das Internet wäre nicht was es ist, ohne professionelle, kommerzielle, multimediale Darstellung verschiedenster Sexualakte und Körperteile.

paarungDie Paarung ist eine biologische Notwendigkeit zur Fortpflanzung und somit zur Arterhaltung. Nur ist der Mensch eines der sehr wenigen Wesen mit ganzjähriger Brunstzeit. Die zur Paarung oder zur sexuellen Stimulans brauchbaren Körperteile sind als Schlüsselreize aus der Werbewelt nicht wegzudenken: Lippen, Dekolletees, Hüften, Muskeln – lächeln, reizen und werben in jedem U-Bahn-Schacht. Abgesehen also von der religiös-reglementierenden oder der therapeutisch-regulierenden Herangehensweise oder der werberischen Darstellung ist Sex schlichtweg auch noch unentbehrlich. Wo also liegt der richtige Weg?

Die religiöse Sichtweise

Biblisch gesehen ist Sex mit Nachbarsfrauen, der eigenen Mutter oder Stiefmutter, Schwiegertöchtern, Gleichgeschlechtlichen, Tieren und menstruierenden Frauen erstmal strikt verboten. Im Islam ist das eigentlich nicht ganz so genau geregelt, aber je nach dem wer gerade die Richtlinien für die Gläubigen herausgibt, bleibt für Sex nicht viel Platz im richtigen Leben. Die Buddhisten sehen es gelassen: Schade niemandem, sei nicht egoistisch und verliere dich nicht im Rausch. Orthodoxe Juden benutzen ein spezielles Nachtgewand, das der Gemahlin zum Zwecke der Begattung übergezogen wird und nur eine Befruchtungsöffnung freilässt. So kommt der Strenggläubige nicht in die Versuchung die komplette Frau nackt sehen zu müssen.

Die Sexualethik des Alten Testaments:

3. Buch Mose, Kapitel 20,10ff: „Wenn jemand die Ehe bricht mit der Frau seines Nächsten, so sollen beide des Todes sterben [..]. Wenn jemand mit der Frau seines Vaters Umgang pflegt und damit seinen Vater schändet, so sollen beide des Todes sterben [..]. Wenn jemand mit seiner Schwiegertochter Umgang pflegt, so sollen beide des Todes sterben [..]. Wenn jemand bei einem Mann liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben [..]. Wenn jemand bei einem Tier liegt, der soll des Todes sterben, und auch das Tier soll man töten [..]. Wenn ein Mann bei einer Frau liegt zur Zeit ihrer Tage und mit ihr Umgang hat [..], so sollen beide aus ihrem Volk ausgerottet werden.“

Muslimische Sexualethik

Die Handhabung von Themen im Bereich der Sexualethik variiert im Islam sehr stark nach Geographie und Gesellschaftsschicht. Im Allgemeinen gilt die Ehe als Manifestation des Göttlichen Willens. Die Islamische Tradition bezeichnet sie als essenziell und erachtet Ehelosigkeit als eine üble Gegebenheit, die voll Bösem ist. Trotz dieser bedingungslosen Befürwortung wurde die Sexualität von vielen muslimischen Moralisten immer wieder als etwas Schlechtes bezeichnet.

Buddhistische Sexualethik

Im Gegensatz zu den meisten anderen Glaubensrichtungen, spielt die Sexualethik im Buddhismus keine so wichtige Rolle in der Vermittlung von Werten. Trotzdem gibt es auch hier klare moralische Vorstellungen. Sie ergeben sich aus den fünf Grundsätzen:

1. Vermeide es, anderen Lebensformen zu schaden – sei liebevoll und freundlich
2. Vermeide es, das nicht gegebene zu nehmen – praktiziere Großzügigkeit
3. Vermeide es, sexuellen Ehebruch zu begehen – sei zufrieden
4. Vermeide es, zu lügen – sei ehrlich
5. Vermeide es, Dich zu berauschen – sei aufmerksam

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über sexualethisch interessante Themen und wie sie von den verschiedenen Religionen und Sekten gehandhabt werden.

Die Angaben sind als Durchschnittswerte zu verstehen. Die Anhänger der selben Glaubensrichtung können in unterschiedlichen Ländern unterschiedliche Ansichten vertreten.

V = verboten / U = unmoralisch / N = neutral / A = akzeptiert / B = befürwortet

 
Katholiken Buddhisten Juden Mormonen Muslime
Sex mit Jugendlichen V U U V U
Vorehelicher
Verkehr
V A A V V
Ehebruch V U V V V
Scheidung V A A U N
Masturbation U B N U A
Abtreibung V N A U N
Verhütungsmittel V B A B B
Heirat bei
Geistlichen
V N B B B
weibliche
Geistliche
V N B U U
Homosexuelle
Orientierung
N A A U V
Homosexueller
Verkehr
V A V V V
Gleichgeschlechtliche
Ehe
V B U V V

Quelle Tabelle: www.wikipedia.org

Religiös schwierig, biologisch notwendig, kommerziell ertragreich, emotional wichtig.

In einer tiefer gehenden Mann-Frau-Beziehung (Oder bei Homosexuellen eben Mann-Mann bzw. Frau-Frau) kann das Thema Sex schlichtweg nicht ausgeklammert werden. Es kann durchaus langfristige und tiefe Beziehungen geben in denen Sex kein Thema ist. Einer der Partner ist bereits gebunden oder man will die Beziehung nicht aufs Spiel setzen. Aber abgesehen von diesen Ausnahmen bietet es sich doch an, mit dem passenden Partner auch Körperflüssigkeiten auszutauschen. Warum sollte man es auch nicht tun? Warum macht Sex denn sonst Spaß? Warum ist Sex in so vielen Religionen verteufelt worden? Laut dem bekannten Buch „Sakrileg“ von Dan Brown und vieler anderen Schriften, hatte Jesus überhaupt kein gestörtes Verhältnis zu Sex, sondern war sogar verheiratet. Sehr wahrscheinlich mit Magdalena.

Sex wurde von den Kirchen ganz aktiv verteufelt und in Gegensatz zur geistigen oder geistlichen Reife gestellt.

Natürlich ist der ausschweifende Umgang mit Sex als reine Lustbefriedigung nicht dauerhaft ausreichend. Krankheiten, emotionale Frustration, ungeliebte Kinder, Eifersucht und gebrochene Herzen können die Konsequenz sein. Natürlich erfordert auch Sex, wie jede andere Interaktion mit anderen Menschen, einen verantwortungsvollen Umgang. Vor allem in einem – im Wortsinn – so intimen Bereich wie im intimen Bereich. Aber Tatsache ist doch auch, dass erzwungene Enthaltsamkeit frustrierende Nebenwirkungen hat. Ob der Zwang aus Mangel an Gelegenheit herrührt oder aus religiösen Gründen ist dabei fast nebensächlich. Das Verbot von vorehelichem Sex oder das generelle Verbot von Sex für Priester ist nicht im Sinne des Erfinders gewesen. War es nie. Das Zölibat ist erst seit dem 12ten Jahrhundert für katholische Priester verbindlich. Wozu? Wozu sollte man Generation nach Generation sexuell frustrierter Menschen aktiv erzeugen wollen? Vor allem in einem Amt, in dem aktive Lebenshilfe angeboten werden soll. Jetzt ist die Situation so, dass sich jeder der katholisch heiratet, bei einer männlichen Jungfrau Tipps zum Eheleben abholen muss. Da finde ich die Vorstellung eines verheirateten Jesus irgendwie sympathischer.

3 comments

  1. Mir ist die christliche Angabe nur mit Katholiken sehr einseitig.
    Um eine objektive Bewertung abzugeben gehören ev. Kirche, Evangelikale und Freikirchen unbedingt mit dazu.

    1. Religionen stellen Sex vielfach als schlecht hin, weil sie den Menschen so besonders gut in den Griff bekommen. Nämlich an einem Grundtrieb, den sie einfach mal für schlecht erklären – um dann sich selbst als einzig hilfreiche Alternative samt Sichtweisen etc. darstellen. Eigentlich schlimm … befreit Euch davon !

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