Liebe an und für sich: Onanie

 

autoerotikWer sich missionswütigen christlichen Dogmatikern argumentativ in den Weg stellen möchte, kann sich gerne den Spaß machen, das Thema Masturbation beziehungsweise Onanie anzusprechen. Nach dem entrüsteten Ausruf „Sünde!“ kann man leicht feststellen, dass sich die religiösen Autoerotikverweigerer zwar ein großes schlechtes Gewissen angeeignet haben, aber dass das zugrunde liegene Bibel-Wissen über den Namensgeber Onan meist komplett fehlt.

In den wenigsten Fällen haben die frustrierten Missionare tatsächlich die Quelle des Edikts gelesen. Sie müssen ihre Morgenlatte mit schlechtem Gewissen registrieren, möglichst ignorieren und dürfen natürlich keinesfalls onanieren.

Die meisten Religionen, wie etwa das Judentum und der Islam, betrachten die Selbstbefriedigung normalerweise nicht als Sünde. Dies gilt auch für die evangelische Kirche. Die orthodoxe Kirche definiert „Sünde“ als „Handlung gegen das Gewissen“. Ob Masturbation darunter fällt, muss der Gläubige durch Beobachtung seines Gewissens selbst entscheiden. Eine Ausnahme bildet die Haltung der heutigen römisch-katholischen Kirche. Nach ihr stelle die „bewusste und freiwillige Selbstbefriedigung“ eine unreife und fehlgeleitete Form der Sexualität dar. In einer bestimmten Interpretation der paulinischen Tradition gilt ferner allgemein jedes geschlechtliche Tun, das nicht der Fortpflanzung dient, als schwere Sünde der Unzucht.

Bevor man sich die Frage nach der Schwere der Sünde der Onanie stellt, sei es missionswilligen Masturbationsgegner angeraten, den Originaltext zu lesen. Dieser steht in der Genesis:

1.Mose 38,8
6 Und Juda gab seinem ersten Sohn Er eine Frau, die hieß Tamar.
7 Aber Er war böse vor dem HERRN, darum ließ ihn der HERR sterben.
8 Da sprach Juda zu Onan: Geh zu deines Bruders Frau und nimm sie zur Schwagerehe, auf dass du deinem Bruder Nachkommen schaffest.
9 Aber da Onan wusste, dass die Kinder nicht sein eigen sein sollten, ließ er’s auf die Erde fallen und verderben, wenn er einging zu seines Bruders Frau, auf dass er seinem Bruder nicht Nachkommen schaffe.
10 Dem HERRN missfiel aber, was er tat, und er ließ ihn auch sterben.
(Übersetzung Unrevidierte Elberfelder)

1.Mose 38,8
6  Und Juda nahm ein Weib für Gher, seinen Erstgeborenen, und ihr Name war Tamar.
7  Und Gher, der Erstgeborene Judas, war böse in den Augen Jahwes, und Jahwe tötete ihn.
8  Da sprach Juda zu Onan: Gehe ein zu dem Weibe deines Bruders, und leiste ihr die Schwagerpflicht und erwecke deinem Bruder Samen.
9  Da aber Onan wusste, dass der Same nicht sein eigen sein sollte, so geschah es, wenn er zu dem Weibe seines Bruders einging, dass er ihn verderbte zur Erde, um seinem Bruder keinen Samen zu geben.
10  Und es war übel in den Augen Jahwes, was er tat; und er tötete auch ihn.
(Übersetzung Lutherbibel)

Die beiden Übersetzungen unterscheiden sich nur minimal, der Bruder Onans heißt einmal „Gher“ und einmal „Er“ aber ansonsten decken sich die Schriften. Onan hätte also auf Weisung seines Vaters Juda die Frau seines von Gott getöteten Bruders schwängern sollen. Eine Verpflichtung die so gesehen seinerzeit nicht besonders ungewöhnlich war, denn die Nachkommenschaft des Stamms war natürlich nur dann gesichert, wenn die Frauen auch schwanger wurden. Wenn ein Bruder starb, war es üblich, seine Frau(en) denen des überlebenden Bruders zuzurechnen. Der so beerbte Bruder musste dann für Unterkunft, Nahrung und natürlich auch Nachwuchs sorgen. Onan aber pfiff auf die Weisung seines Vaters, einfach weil er dem Clan seines Bruders keinen Samen geben wollte. Deshalb „ging er“ bei Tamar wohl „ein“ aber den Samen ließ er verderben. Medizinisch gesprochen hat er sich kurz vor Vollendung des Geschlechtsverkehrs mit einem Coitus Interruptus verabschiedet und ließ den Samen dadurch verderben. Und das war übel in den Augen Jahwes und er tötete auch ihn.

Um Masturbation geht es in der kompletten Geschichte überhaupt nicht. Nicht mal in der kreativsten Interpretation. Man könnte jetzt, wenn man dringend sucht, die Sünde in den Coitus Interruptus hinein interpretieren, aber viel wahrscheinlicher ist doch, dass die Sünde in der Nicht-Erfüllung seiner Bruderpflicht bestand. Genau das steht schließlich auch da: „… um seinem Bruder keinen Samen zu geben“. Hätte der Prophet auf die Verderbtheit der Samenverschwendung hinweisen wollen, wäre das wahrscheinlich anders formuliert.

Aber man braucht auch keine echten Quellen, es gibt ja eine für sich stehende Bedienungsanleitung, die alle Fragen des täglichen Lebens erörtert und die entsprechenden Regeln aufstellt. Der „Katechismus der katholischen Kirche“ (KKK) legt letztlich fest, was sündig, verderbt, erstrebens- oder verdammenswert ist.

Zitat KKK:

Verstöße gegen die Keuschheit

2351 Unkeuschheit ist ein ungeregelter Genuß der geschlechtlichen Lust oder ein ungeordnetes Verlangen nach ihr. Die Geschlechtslust ist dann ungeordnet, wenn sie um ihrer selbst willen angestrebt und dabei von ihrer inneren Hinordnung auf Weitergabe des Lebens und auf liebende Vereinigung losgelöst wird.

2352 Masturbation ist die absichtliche Erregung der Geschlechtsorgane, mit dem Ziel, geschlechtliche Lust hervorzurufen. „Tatsache ist, dass sowohl das kirchliche Lehramt in seiner langen und stets gleich bleibenden Überlieferung als auch das sittliche Empfinden der Gläubigen niemals gezögert haben, die Masturbation als eine in sich schwere ordnungswidrige Handlung zu brandmarken“, weil „der frei gewollte Gebrauch der Geschlechtskraft, aus welchem Motiv er auch immer geschieht, außerhalb der normalen ehelichen Beziehungen seiner Zielsetzung wesentlich widerspricht“. Der um ihrer selbst willen gesuchten geschlechtlichen Lust fehlt „die von der sittlichen Ordnung geforderte geschlechtliche Beziehung, jene nämlich, die den vollen Sinn gegenseitiger Hingabe als auch den einer wirklich humanen Zeugung in wirklicher Liebe realisiert“ (CDF, Erkl. „Persona humana“ 9).

„Tatsache ist, dass sowohl das kirchliche Lehramt in seiner langen und stets gleich bleibenden Überlieferung als auch das sittliche Empfinden der Gläubigen niemals gezögert haben, die Masturbation als eine in sich schwere ordnungswidrige Handlung zu brandmarken“. Das heißt im Klartext: „Das war schon immer so, das wird so bleiben“. Naja das mag an vielen Stellen in der richtigen Welt ähnlich gehandhabt werden, aber als Erklärung ist das höchst unzureichend. Zu irgendeinem Zeitpunkt wurde also im Zuge der Frauenverdrängung und Sexfeindlichkeit die Masturbation ganz bewusst gleich mit verboten. Ohne wirkliche Quellen in der Überlieferung nennen zu können. Der positive Aspekt für geschickte Demagogen ist dabei die permanente Frustration der Anhänger. Wenn die Sexualität dauerhaft unterdrückt und negativ belastet wird, erlangt der Glaubende natürlich eine höchst eigenartige Selbstsicht. Ein Teil meiner selbst erscheint mir unrein, weil er sich nach etwas Sündigem sehnt. Am besten lösche ich diesen Teil in mir um hinterher rein und weiß vor meinem Schöpfer zu stehen. Blöd nur, dass dieser Teil völlig natürlich in den Organismus eingebettet ist. Ich denke die eigene Sexualität als nichtvorhanden einzustufen ist psychologisch gesehen schon eine der schwereren Übungen. Eben so wenig könnte Hunger, Schmerz und ähnliches einfach eben so unterdrückt werden. Auch die Autoerotik gehört im Normalfall zu einer gesunden Entwicklung und ist schlichtweg notwendig um den Gebrauch der für Sex notwendigen Körperteile zu erlernen. Niemand käme auf die Idee den linken Ellbogen als unrein einzustufen und deshalb seinen Gebrauch zu verbieten. Nichts anderes passiert mit den primären Geschlechtsmerkmalen. Es gibt auch keinen biologisch nachvollziehbaren Grund, warum eine „Verschwendung“ von Samenflüssigkeit sündig oder ungut sein sollte, denn Samenflüssigkeit wird über lange Zeit permanent in ausreichenden Mengen produziert und diese Produktion selten oder nie abzuleiten ist höchstens mal ungesund. Die Flüssigkeiten ab und an abzuführen kommt der Konstruktionsweise des samenspendenden Apparats eher entgegen als eine Unterdrückung dieser Funktion. Das wäre auch ein eigenartiger Gott, der Fortpflanzung lustvoll gestaltet und auch sonst alles dafür tut, damit sich das Leben immer weiter fort trägt und entwickelt, aber dann quasi als Kleingeschriebenes nach Unterschrift genau das Verbot dieses Lustgewinns präsentiert.

Es sei außer Frage gestellt, dass es ungut ist wenn die pure Lust alle anderen Aspekte überlagert: Wenn es anstatt von Nähe, Liebe, Zärtlichkeit und Erotik gesehen wird. Aber in Kombination mit den eben genannten hat die Lust ihren von Gott vorgesehenen Platz in einer wunderschönen Welt voller lustvoller Dinge.

7 comments

  1. Hallo,

    Selbstbefriedigung ist KEINE Sünde!
    Selbstbefriedigung kommt in der Bibel gar nicht vor. Die Meinung, Sb sei Sünde und „unrein“ (unrein auch die weibliche Periode!), ist reine Willkür. Nach Erkenntnissen der heutigen Medizin und Sexualwissenschaft ist Sb eine eigenständige und wertvolle Form der Sexualität. Der Sexualtrieb ist uns Menschen angeboren und wir behalten ihn ein Leben lang. Er ist NICHT auf den ehelichen Geschlechtsverkehr beschränkt! Schon Embryos im Mutterleib berühren ihre Geschlechtsteile. Das beweisen Ultraschallaufnahmen. Für Jugendliche ist Sb Triebabfuhr und Einüben ihrer Sexualität (die laut Schöpfungsbericht von Gott gegeben ist). Ich empfinde es als ungeheure Arroganz und Größenwahn, wenn „Christen“ Menschen, die sich selbst befriedigen, verachten und allgemein gültige Verbote aufstellen wollen. Die jahrhundertelange Unterdrückung der Sb durch Mediziner und Kirchenväter (gibt es eigentlich auch Kirchenmütter?) hat viel Not und Elend über die Menschheit gebracht. Ich erinnere nur an die zahlreichen Klitoridektomien in Europa und den USA zur „Behandlung“ der weiblichen Masturbation.
    Selbstbefriedigung – eine Sünde? NEIN!

  2. Der alltägliche Wahnsinn in „christlichen“ Internetforen zeigt, welch ein gebrochenes Verhältnis „Christen“ zur vorehelichen Sexualität haben. Besonders die Selbstbefriedigung ist weiterhin ein rotes Tuch für reaktionäre Christen. Auslöser des Ganzen sind die offiziellen Haltungen von Kirchen, wie z.B. der römisch-katholischen Kirche, die in der Selbstbefriedigung eine „absichtliche Erregung der Geschlechtsorgane, mit dem Ziel, geschlechtliche Lust hervorzurufen“, wie auch jeglicher freiwillige, außerehelliche „Gebrauch der Geschlechtskraft“, eine „in sich schwere ordnungswidrige Handlung“ sehen. Allerdings werden in der Seelsorge Faktoren wie „affektive Unreife, die Macht eingefleischter Gewohnheiten, Angstzustände und weitere psychische oder gesellschaftliche Faktoren“ berücksichtigt, „welche die moralische Schuld vermindern oder sogar auf ein Minimum beschränken können.“ (Katechismus der Katholischen Kirche, KKK, Nr. 2352).
    Diese unnatürliche Einstellung der Kirchen wirkte sich Jahrtausende lang auf die Menschheit aus und ist heute nicht nur auf die römisch-katholische Kirche beschränkt, sondern besonders evangelikale Kirchen und fundamentalistische christliche Gemeinschaften, aber auch Sondergruppierungen wie z.B. die Mormonen, sind diesem Leitbild verfallen. Man versucht besonders jungen Menschen Schuldgefühle einzureden, wenn sie masturbieren. Das Leitbild dieser „Christen“ ist der bis zur Ehe absolut keusch lebende Mensch, danach aber wird von demselben Gläubigen in der Ehe erwartet, dass die ehelichen „Pflichten“ erfüllt werden.
    Das religiöse Sündengeschwafel diente und dient nur dazu, Menschen ein schlechtes Gewissen aufzuschwatzen. Das funktioniert in Sachen Sexualität hervorragend, weil es sich um einen Trieb handelt. Wer das Gewissen des Menschen beherrscht, beherrscht den Menschen.

  3. Masturbanten schmoren alle für immer in der Hölle. Und da mehr oder weniger jede(r) schon mal masturbiert hat, ist das auch der Grund, warum es im Himmel so leer ist. Da sind einfach nur komische Leute, z.B. solche, die sich mit Sprengstoffgürteln inmitten einer Gruppe Masturbierender in die Luft sprengen.

  4. Damit es nicht zu ernst wird, hier ein religiöser Witz über die SB:
    Der Priester: „Mein Sohn, wirst du von unkeuschen Gedanken geplagt?“ Der junge Mann: „Im Gegenteil, sie machen mir Vergnügen!“

  5. Lange Zeit wurde von den Kirchen die alttestamentarische Onan-Geschichte (1. Mose 38, 1-10) als „Beweis“ für die Sündhaftigkeit der „Onanie“ herangezogen. Onan vollzog jedoch keine Selbstbefriedigung, sondern Coitus interruptus, also Empfängnisverhütung. Er wollte seinem verstorbenen Bruder und dessen Witwe keine Nachkommen hinterlassen und verstieß damit gegen die jüdische Sitte und das Gebot Gottes. Für seinen Ungehorsam wurde er von Gott mit dem Tode bestraft.
    Selbstbefriedigung wurde jahrhundertelang von Medizinern, Pädagogen, Philosophen und Kirchenvätern unterdrückt. Zahlreiche Krankheiten wurden ihr zugeschrieben: Akne, Gehirnerweichung, Rückenmarksschwund, Tuberkulose oder Lepra sollten die Folgen des Masturbierens sein. Ausgeklügelte Apparaturen zur Verhinderung der SB wurden entwickelt, und zahlreiche Mädchen und Frauen mussten sogar Klitoridektomien über sich ergehen lassen.
    Nach Erkenntnissen der heutigen Medizin, Psychologie und Sexualwissenschaft ist SB eine eigenständige und wertvolle Form der Sexualität. Der Sexualtrieb ist uns Menschen angeboren und wir behalten ihn ein Leben lang. Er ist nicht auf den ehelichen Geschlechtsverkehr beschränkt. Schon Embryos im Mutterleib berühren ihre Geschlechtsteile. Das beweisen Ultraschallaufnahmen. Für Jugendliche ist SB willkommene Triebabfuhr und Einüben ihrer Sexualität. Erwachsene können durch SB ihr Sexualleben bereichern, und für viele, vor allem Frauen, ist sie ein gutes Orgasmustraining. Sexualtherapeuten verordnen SB gegen Orgasmusprobleme und vorzeitigen Samenerguss. Nach einer australischen Studie aus dem Jahre 2003 senken fünf Ejakulationen in der Woche das Prostatakrebsrisiko von Männern um ein Drittel.

  6. Zunächst ein paar (Hinter(n)Fragen:

    1. Was ist Sünde?
    2. Was ist normal?
    3. Sb senkt Prostakrebsrisiko? Wirklich?

    Nun ein paar Thesen:
    1. Die Masse hat meist Unrecht.
    2. Die Meisten schwimmen mit der Masse.
    3. Das Gewissen meldet sich auch bei nicht-
    religiösen Menschen.

    Zuletzt ein paar Anmerkungen:
    1. In einer Gesellschaft in der das Absolute (Göttliche o.a.)
    und fast jegliche Autorität (außer die des Pöbels)
    aufgegeben wird, kommen die einzelnen Menschen
    ins schwimmen, es ist kein Halt mehr da.
    Folgen: Schamlosigkeit, Haltlosigkeit. Entgrenzung.
    2. Ein Entwicklungsstadium wie das der SB zum Normalzustand für
    alle Altersklassen zu machen ist unzulässig.
    3. Mit „die heutige Wissenschaft hat ganz klar gezeigt, dass“
    wird ein Geschichtspostivismus genährt, den ich nicht
    unterstütze und der naiv bis reduktionistisch ist (genau, ich
    lass mir von der Wissenschaft sagen, was in Sachen Sexualität
    normal ist und mache so verlagere so die Frage der Moral
    und Ethik in die Wissenschaft bzw. begebe mich unter ihr
    Diktat.
    Wir haben aus der (Wissenschafgs-)Geschichte gelernt, dasd
    wir nichts aus der Geschichte gelernt haben.
    4. Das man mit SB seine Sexualität kennenlernt ist lächerlich.
    Geschlechtlich ist der Mensch von Anfang an und zu meinen,
    ich müsste erstmal meinen Körper durch SB kennenlernen,
    ist ein gut gemeinter, aber weit verbreiteter pädagogischer
    Irrtum.
    5. Das „Kirchen-schlechtes-Gewissen“ -Argument ist soo dumm
    und weit hergeholt:
    Geh einmal auf die Straße und frage (katholische) Gläubige, ob
    sie sich ernsthaft nicht selbstbefriedigen, weil der Papst es
    verboten hat? Das ist eine lächerliche Argumentation. Und
    welcher Standard-Katholik hat bitteschön den Katechismus
    gelesen. Und selbst, wenn er die Katechese genossen hat,
    wieviele Priester (falls sie diese vornehmen) thematisieren
    offen dieses Thema. Und selbst, wenn es thematisiert werden
    würde, man vergisst es doch wieder. Also ich hab eigentlich
    komplett alles vergessen, was ich bei der Christenlehre/
    Konfirmation je gehört habe.
    Weißt du, was die Katholiken dir hier auf der Straße zu diesem
    Thema (und zu vielen anderen) sagen werden?
    „Rom ist weit…. „.
    Und selbst wenn katholische Kinder es lernen würden, allein
    schon entwicklungspsychologisch ist dies Argument total
    haltlos: Welche(r) 13-15 jährige (wenn er ´normal´ ist) sagt:
    „Genau Herr Priester, SB ist schlecht, das wusste ich ja schon
    immer, das die Erwachsenen recht haben und ich werde Ihnen
    in allem, was sie folgen wie immer zustimmen und mein JA und
    AMEN dazugeben, denn ich bin ein Teenager und Teenager sind
    ganz unkomplizierte, brave und gehorsame Leutchen, da für
    ist ja unserer Alter in fern und nah bekannt.“
    Außerdem sind viele Leute gar nciht mehr in der Kirche und
    kaum jemanden interessiert, was sie sagt. Es ist außerdem
    nicht schwer herauszufinden, das die evangelische Kirche
    seit längerem sehr mit Kirchenaustritten zu kämpfen hat.

    Niemand kann dir sagen, was richtig ist, in einer Welt, in der es
    richtig und falsch nicht mehr gibt.
    Viele haben am Anfang gekämpft, gegen alles Mögliche. Sie sind
    älter geworden und haben mit der Zeit resigniert. Schade…
    Achte genau auf die Sprache der Menschen (auch auf meine). Sie offenbart welchen Wert jemand einer so wundervollen Sache
    (und „Sache“ meine ich nicht abwertend, sondern aus alltags-
    sprachlichen Gründen formuliere ich es so) wie der Sexualität
    beimisst.
    Die meisten Leute denken heute gehen mit einer Rohform des
    kategorischen Imperativ um. Wie fein hat doch Kant berücksichtigt,
    dass es so oder so oder so immer ein Gesetz gibt.
    Und das Gesetz der Gesellschaft, wie ich es in diesem Mosaikteil-
    thema von SB erfahre, ist eben:
    „SB ist normal, nicht SB ist krank Und wenn du anders denkst,
    bist du eben krank oder du bist religiös, was auch krank ist.“
    Oder man hört eine mildere Form im Sinne der ´Toleranz´:
    „Was du machst kein SB!?? Nach ja, ist mir volkommen egal,
    ich bin ja tolerant …. …(leise: warum, macht er/sie kein SB…
    meint er/sie das ernst…wie sollte man das denn schaffen…
    na ja…außerdem ist es doch so geil und voll normal…)

    Ein Letztes:
    Es ist ein großer Trugschluss zu meinen, dass das, was nur mich
    angeht, nur mich angeht. In dem Sinn, dass es nicht doch bemerkbar wird und abfärbt und beeinflusst (ob gut oder schlecht oder wie auch immer), ob wir das nun wissen oder nicht.
    Ob ich 1 Woche lang sinnvolles tue, was mir gut tut oder eben
    total den Müll -egal, ob es nur mich angeht oder nicht- es wird
    spürbar sein. SB fällt letztlich in den Bereich persönlicher
    Verantwortung, aber für mich fällt letztlich alles, was ich tue
    und lasse, ob es jetzt öffentlich ist oder privat, ob andere nun
    beteiligt sind oder nicht in den Bereich meiner Verantwortung.
    Ich denke, viele Leute (und ich selber) haben im Umgang mit
    sich selbst -abgesehen mal von SB- einen seltsamen und lieblosen
    Verhaltenscodex. Draußen hält man alles Mögliche hoch, aber vor
    sich selbst ehrlich zu werden und gut und verantwortlich mit sich umzugehen, fällt vielen schwer.
    Mein Statement ist: Sb -ich bin dagegen.
    Nach dem mir gängigen Werteverständnis kann mich dafür auch
    keiner ankreiden, da ja jeder sowieso jeder machen kann, was
    er will -aber wie absurd ist dann überhaupt ein Gedanke über
    das FÜR und WIEDER von Sb oder jegliche Diskusskion…?

    Benutz deinen eigenen Kopf und denke nicht nur mit deinen Gefühlen. Du hast ein Recht auf eine eigene Meinung.

    Ciao,
    Vince

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