Freude und Angst

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Motivation und Demotivation. Es gibt, wenn man es grob unterteilen möchte, zwei Hauptmotivatoren sich anzustrengen: Man freut sich auf den Erfolg oder man fürchtet sich vor der Niederlage. Dieses Prinzip kennt jeder aus seiner Schulzeit. Die Frage ist nur, mit welcher Motivationsart bedenken wir uns selbst?

Pädagogisch gesehen gibt es für den Lernenden zwei gute Gründe, sich mit einem bestimmten Lernstoff näher zu befassen. Möglichkeit eins: Er freut sich auf eine gute Note oder im Idealfall sogar darauf, hinterher mehr zu wissen als vorher. Möglichkeit zwei: Er hat Angst davor, das nächste Mal eine schlechte Note oder Strafe zu bekommen oder völlig den Anschluss zu verlieren. Die eine Variante ist geprägt von Freude, die andere von Furcht. Schüler Nummer eins freut sich auf eine Belohnung, Schüler Nummer zwei fürchtet sich vor Strafe. Welche Motivationsart für bessere Ergebnisse sorgt, sollte an sich logisch sein: Mit Spaß und Ehrgeiz lernt es sich leichter als mit permanentem Angstschweiß auf der Stirn. Trotzdem wird die Angst oft effektiver gefördert als die Freude.

Idealerweise genügt in der Freude-Variante schon der Ausblick auf erweitertes Wissen oder ein erweitertes Weltbild.

Erwachsene opfern sogar Geld und Freizeit, um in Volkshochschulen die Geschichte der Oper näher kennen zu lernen oder eine Fremdsprache besser zu beherrschen. Die Kurse werden gerne besucht, die Teilnehmer haben allen Grund, hoch motiviert ihr Bestes zu geben. Schließlich tun sie das alles, um im nächsten Urlaub die Pizza professionell in Landessprache bestellen zu können oder sich höchst gebildet über die Sonatenhauptsatzform auszulassen. Wer gerne in den Kurs geht und sich über jeden kleinen Lernerfolg freut, wird letztendlich bestimmt mehr wissen und können als vorher. (Wer sich allerdings nur ungern in den Kurs schleppt, weil er die Sache eigentlich nur der Frau zuliebe angefangen hat, wird kaum die gleichen Erfolge vorweisen können – derjenige ist aber auch selbst schuld)

Bei Jugendlichen und Kindern ist die reine Wissenssteigerung als Motivator meist nicht ausreichend, zumal der konkrete Nutzen oft noch nicht offensichtlich genug ist. „Was soll ich denn in Böblingen mit Latein? Ist mir doch wurscht, wann irgend ein Zug mit Geschwindigkeit X in B ankommt “ Trotzdem freuen sich auch junge Leute auf oder über gute Noten oder zumindest auf das neue Fahrrad oder das Moped am Ende des Jahres wenn der Notendurchschnitt gut genug war. Oft genügt auch schon der Wettbewerbsgedanke, im vorderen Drittel dabei sein zu wollen.

Diese Freude auf Erfolg zu erzeugen, ist Aufgabe des jeweils Lehrenden und hängt neben der pädagogische Eignung des Lehrpersonals von vielen Faktoren ab: Begabung, soziales Umfeld, Alter, Berufswunsch und nicht zuletzt das richtige Leben, das sich außerhalb der Schulmauern abspielt und nachvollziehbarerweise oft einen höheren Stellenwert einnimmt als das Gerundium. Aber letztlich kann jeder Lernstoff mit Spaß und Freude vermittelt werden, wenn die Rahmenbedingungen halbwegs stimmen.

Die dunkle Seite der Macht: Die Angst.

Die Furcht davor, zu versagen. Wieder eine Fünf nach Hause zu bringen, wieder dumm daneben zu sitzen, wenn dein VHS-Kollege mit Kellner Luciano parliert, als wäre er in Neapel aufgewachsen. Und du sitzt wieder dumm daneben und könntest Luciano töten, weil er deine „duo Expresso matschiato“ Bestellung milde lächelnd quittiert. Dabei kann die Angst vor dem Nachbar dumm dazustehen wenigstens noch in eine positive Stimmung umschlagen: „Jetzt lern ich das auch und nächstes Mal zeig ich’s ihm!“.

Die Angst allerdings, die das Kind vor der angedrohten Strafe befällt, wird kaum in ihr positives Gegenteil umschlagen. Diese Angst bleibt Angst und ist dabei höchst kontraproduktiv. Wie soll man sich auf englische Grammatik konzentrieren, wenn im Hinterkopf die Angst vor Hausarrest steht oder im schlimmsten Fall prügelnde Steinzeit-Pädagogen bereits unheilbare Narben in die Psyche der jungen Menschen gedroschen haben? Die Angst nimmt irgendwann genau den Platz ein, der eigentlich von dem neuen Wissen gefüllt werden sollte. Nur ist jetzt blöderweise kein Platz mehr und die Spirale dreht sich weiter nach unten. Die Noten werden immer schlechter, die überforderten Eltern prügeln und strafen immer härter und der verzweifelte Lernende wünscht sich einfach nur weit weg. Jeder ist damit beschäftigt, die Situation zu beklagen und keiner kommt auf die Idee, sich einfach mit Grammatik zu beschäftigen. Sie erinnern sich? Um die ging es doch eigentlich.

Angst ist ein schlechter Motivator. Angst macht schwach, unglücklich und traurig. Angst verstärkt sich ebenfalls von Misserfolg zu Misserfolg.

Freude ist ein guter Motivator. Freude macht stark, positiv und verstärkt sich von Erfolg zu Erfolg.

Diese Website ist auch unter dem Namen www.glaubenistgesund.de zu erreichen. Warum „Glauben ist gesund“ und nicht „Nichtglauben ist ungesund“? Die zweite Version wäre offensichtlich nicht halb so griffig. Positive Formulierungen sind negativen generell vorzuziehen, das ist eine der Wahrheiten in der Schreiberei: „Schuhmacher der Schnellste“ klingt einfach satter als „Schuhmacher weniger langsam als die anderen“. Anderes Beispiel: Wenn Kinder volle Saftgläser durch die Wohnung balancieren, ist es ratsam die Ansage „Gut festhalten“ auszugeben, anstatt sie mit „nicht fallenlassen“ zu verwirren. Dafür sind Kinderhirne noch zu geradlinig gestrickt um die Negation eines Unfalls als Aufforderung zum Erfolg zu verstehen.

Warum also machen wir uns selbst das Leben schwer und malen uns oft und gerne optionale Fehlschläge aus? Das Schöne am Pessimismus: Man erlebt keine unangenehmen Überraschungen. Flax beiseite: Es hemmt uns, wenn wir uns auf die möglichen Misserfolge konzentrieren. Es kann sogar sein, dass Misserfolge wahrscheinlicher werden, wenn wir die Vorstellung derselben zu sehr in den Vordergrund rücken. Wie oft sagt der Gewinner eines Skirennens schon im Interview „Ich hatte große Angst davor, zu versagen, aber Gottseidank konnte ich die meisten Missgeschicke vermeiden“? Man wird meistens hören: „Ich war heut super drauf und außer ein paar kleinen Schwierigkeiten in der Gleitpassage ist es klasse gelaufen“.

Jeder Coach und jeder Psychoanalytiker wird es bestätigen: Positiv sollten Sie den Tag beginnen. Erfolg macht sexy! Erfolgreiche Menschen gehen mit strahlenden Augen durch die Welt und eine positive Ausstrahlung bring wiederum Erfolg mit sich. Auch wenn mal wieder eine Hürde im Weg steht, das nächste Hoch kommt bestimmt. Das sollte immer Antrieb und Grundstimmung sein. Man muss einfach an sich selbst glauben und Glauben ist ja bekanntlich gesund!

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