Exklusive Religionen

 

exklusivitaet_200Viele Glaubensrichtungen vertreten den Ansatz der Exklusivität. Interessanterweise meist monotheistische Religionen, die außerdem nur von einem einzigen Lebenszyklus mit anschließender Belohnung oder Bestrafung ausgehen: Ein Leben, ein Gott, eine Chance – Gewonnen oder Verloren.
Nun ist es aber schwierig zu sagen was mit denjenigen passieren soll, die die jeweilige Heilslehre nicht annehmen wollen. Oder noch komplizierter, die sie gar nicht kennen.

Noch gibt es ja Menschen ohne Kofferradio und Coca-Cola auf dieser Welt. Dafür gibt es Sonderregelungen. Oder aber es kam tatsächlich vor ein paar Jahren mal ein Missionar vorbei, dieser war aber nicht weiter sympathisch und die Lehre einfach nicht passend für ein Leben im Wald voller Wunder, Geister, Ahnen und Dämonen. Dafür gibt es keine Entschuldigung. Wird der Ureinwohner dafür die Ewigkeit in der Hölle schmachten?

Die Lehre von der ewigen Verdammnis ist eine Erfindung der römisch-katholischen Kirche.

Worum geht es genau? Die römisch-katholische Kirche hat diese Lehraussage genau definiert: Verdammt seien demnach alle, welche die römisch-katholische Lehre nicht vollständig annehmen und nicht die Entschuldigung einer „unverschuldeten Unkenntnis“ haben. Wobei diese Einschränkung an sich bedeutet, dass die hiesige Bodentruppe dafür zuständig ist, möglichst vielen Menschen die „wahre“ Heilslehre nahezubringen. Ob es dann noch eine einschränkende Klausel gibt, wenn der Missionar seinen Job einfach nicht besonders gut kann oder es nicht schafft, seine Finger von den Ministranten zu lassen, ist nicht bekannt. Auch was mit den Protestanten genau passiert, ist ein wenig schleierhaft.

Die evangelisch-lutherische Kirche und die anderen evangelischen Kirchen haben am Kern dieser Lehre nichts geändert. Sie haben allerdings den Kreis der „Ewig Verdammten“ anders definiert. Viele aus katholischer Sicht ewig Verfluchte seien demnach durch den Glauben gerettet, der ihnen nach dem Hören der evangelischen Predigt und dem Empfang der evangelischen Sakramente geschenkt würde. Doch die aus evangelischer Sicht ewig Verfluchten trifft es insofern besonders hart, da sie nicht aus freiem Willen ihr Schicksal wenden können. Sie würden vielmehr vom Teufel selbst in die Hölle hineingeritten, wie vor allem Martin Luther selbst in seiner Schrift „Vom geknechteten Willen“ darlegt. Außerdem hat die evangelische Kirche das Fegefeuer als Vorstufe zum Himmel gestrichen, so dass es nach dem Tod sofort heißt „Schwarz“ oder „Weiß“. Letztlich soll „unser Herr Jesus Christus“ kommen und „die gottlosen Menschen“ „und die Teufel in die Hölle und ewige Straf verdammen“.

Erschwerend kommt bei den exklusiven Glaubensansätzen die Annahme hinzu, dass es eben insgesamt nur diesen einen Versuch gibt.

Es geht nur um das hiesige, jetzige Leben. Es gibt nur einen Versuch, es gibt nur eine richtige Lösung. Hat sich der durchschnittliche Mitteleuropäer trotz aller Möglichkeiten der Informationsbeschaffung bewusst gegen die eine oder andere Kirche entschieden, wird er also auf ewig in der Hölle schmoren. Welche tatsächlich die Richtige war, entscheidet sich letztlich erst, wenn es bereits zu spät ist. Katholiken, Mormonen, Protestanten, Freikirchler, Neuapostolen und viele mehr klingen wie die großen Volksparteien im Wahlkampf. Wähle entweder mich oder das Falsche. Zwar bekämpfen sich katholische und protestantische Kirchen nicht mehr so vehement wie noch vor ein paar hundert Jahren, aber letztlich ist aus katholischer Sicht die Aufnahme in den Himmel für Protestanten (Mormonen, Neuapostolen …) nicht gesichert. Zumindest nicht für die guten Plätze.

Ob oder wie eine Seelenwanderung möglich ist, wird Thema an anderer Stelle sein, aber generell kann davon ausgegangen werden, dass je mehr Chancen der Mensch laut Philosophie hat das Richtige zu tun, desto weniger werden andere Ansätze explizit ausgeschlossen. Im Hinduismus, der auf dem sich immer wiederholenden Lebensrad basiert, ist Exklusivität unlogisch, da ja sowieso alle Religionen nur Ableitungen der einzig echten Sichtweise, eben des Hinduismus sind. Der Lebende wird früher oder später sowieso auf die richtige Philosophie stoßen, ob in diesem oder in zwanzig Leben, spielt dabei keine Rolle. Der Hinduismus kennt daher auch keinen Missionsgedanken, denn als Hindu wird man entweder geboren oder man muss auf das nächste Leben warten. Dann erst wird sich auch die richtige Kaste zeigen.

Die – nennen wir sie mal „Eine Chance – eine Lösung“-Philosophie, baut stark auf die Angst, das Falsche zu tun beziehungsweise sich für das Falsche zu entscheiden. Pädagogisch gesprochen gibt es immer zwei grobe unterscheidbare Motivationsfaktoren irgendetwas Bestimmtes bewusst zu tun oder bewusst zu unterlassen: Die Freude auf den Erfolg oder die Angst vor dem Misserfolg respektive einer Strafe. Da Glaube generell etwas Fröhliches und Motivierendes sein sollte, ist es natürlich fatal, wenn genau dieser Glaube an ein stimmiges Weltbild, an einen Sinn hinter dem Ganzen, von der Angst überdeckt wird, etwas dabei falsch zu machen.

Die Annahme, sich für oder gegen die eine oder andere Sichtweise zu entscheiden könne falsch sein, ist dabei einfach unlogisch. Es wäre außerhalb Zentraleuropas oder Amerikas ein immenser Zufall, würde man sich für eine christliche Religionsgemeinschaft erwärmen – und dadurch als einer der wenigen aus seinem Land den Jackpot ziehen. Viel wahrscheinlicher ist es doch, man interessiert sich für die Religion, die um einen herum im Normalfall, wenn schon nicht gelebt, dann doch immerhin offiziell praktiziert wird. Die Chance auf einen Logenplatz im Himmelreich stiege somit mit der geographischen Nähe zur christlichen Kultur. Das hört sich aber gar nicht nach einem liebenden Gott an, das klingt wirklich eher nach lokalem Wahlkampf.

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